Energieeffizienzgesetz: Potenziale bei Abwärme bleiben ungenutzt
München, 10. April 2026. Mit dem neuen Referentenentwurf zum Energieeffizienzgesetz riskiert die Bundesregierung, gewaltige Energiesparpotenziale ungenutzt zu lassen. Allein durch die Nutzung industrieller Abwärme könnten rund 254 Milliarden Kilowattstunden erschlossen werden. Das entspricht mehr als der Hälfte des Heizbedarfs aller deutschen Haushalte. Der Gesetzentwurf schwächt jedoch ausgerechnet bei der Abwärme zentrale Vorgaben. Angesichts der neuen Energiekrise durch den anhaltenden Iran-Krieg bezeichnet das Umweltinstitut München die Gesetzesnovelle als aus der Zeit gefallen.
Leonard Burtscher, Referent für Energie- und Klimapolitik am Umweltinstitut, sagt: „Anstatt die Industrie dabei zu unterstützen, effizienter, elektrischer und moderner zu werden, wird dieses Gesetz unsere Energie-Importabhängigkeit zementieren und die Industrie weiterhin angewiesen sein auf hohe Energiepreissubventionen. Eine kluge, zukunftsgewandte Energiepolitik sieht anders aus."
Der Gesetzesentwurf aus dem Bundeswirtschaftsministerium sieht vor, dass künftig zwei Drittel der bisher verpflichteten Unternehmen ihren Energieverbrauch nicht mehr systematisch erfassen müssen. Gerade solche Energiemanagementsysteme gelten jedoch als einfachstes Instrument, um Einsparpotenziale überhaupt sichtbar zu machen und gezielt zu nutzen.
Das Umweltinstitut kritisiert zudem, dass die Einsparverpflichtungen für Bund und Länder weggefallen sind. Die europäische Effizienzrichtlinie sieht ausdrücklich vor, dass die öffentliche Hand eine Vorbildrolle übernimmt. Ohne diese Verpflichtungen wird der Staat seinem Anspruch nicht gerecht.
Rückschritte sieht das Umweltinstitut auch bei der Vermeidung von Abwärme: Sie soll nicht mehr verpflichtend sein und Meldungen an die Plattform für Abwärme sollen in Zukunft freiwillig erfolgen. Das in der Plattform für Abwärme gemeldete Potenzial beträgt mit 254 Milliarden Kilowattstunden immerhin mehr als die Hälfte des aktuellen Heizbedarfs aller deutschen Haushalte. „Diese Wärme einfach wegzuschmeißen ist weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll“, sagt Burtscher.
Große Einschnitte gibt es bei Rechenzentren, wo Effizienzvorgaben gelten sollen, die kaum Wirkung zeigen werden: So sollen neue Rechenzentren eine Energieverbrauchseffektivität (PUE) von 1,3 erreichen. Dieser Wert beschreibt das Verhältnis von Gesamtenergieverbrauch zu tatsächlich genutzter Rechenleistung – je niedriger, desto effizienter. Der aktuelle Durchschnitt aller bestehenden Rechenzentren in Deutschland liegt aber bereits bei etwa 1,4. Die geplante Vorgabe würde kaum zusätzlichen Fortschritt bringen.
„Die Abwärmenutzung von Rechenzentren enthält nun so viele Ausnahmen, dass Rechenzentren kaum dort gebaut werden, wo ihre Abwärme sinnvoll genutzt werden kann“, so Burtscher. „Hinzu kommen neue, fragwürdige Geheimhaltungsregeln, die es Betreibern ermöglichen sollen, zentrale Effizienzkennzahlen nicht mehr offenzulegen.“
Weitere Informationen zu Energieffizienz finden Sie auf der Website des Umweltinstituts