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Video! Diplom- und Bachelorausstellung 2012 des Fachbereichs Bildende Kunst der Alanus Hochschule

ausstellung walzwerkBitte wenden!

Diplom- und Bachelorausstellung 2012 des Fachbereichs Bildende Kunst

Am 15. September 2012 präsentierten die Absolventen der des Fachbereichs Bildende Kunst der Alanus Hochschule ihre Werke im Walzwerk in Pulheim. Köln-Sight.TV war zu Gast und stellt Ihnen die Arbeiten der jungen Künstler vor.

Die Künstler
Lena Ader // Julia Aigner // Katrin Elsen // Elena Fleischmann // Anne von Hoyningen-Huene // Tsan-Yu Hsieh // Gina Klapperich // Nina Knob // Konrad Magin // Benedikt Mast // Carolin Nagel // Eliska Neomlelova // Sabine Rascher // Renate Schäfer-Jökel // Sebastian Schrage // Alexandra-Sophie Schütz // Jan-Moritz Stahl // Injung Sun // Yunju Yang // Yao Yao

BITTE WENDEN!

Eine Seite, auf der zu lesen ist, man solle sie bitte wenden, hat es offensichtlich ziemlich nötig, sich mit ihrer Bitte an den Leser zu wenden. Denn dass es da noch eine andere Seite gibt, scheint alles andere als selbstverständlich zu sein.
Das ist bei vielen Formularen die Regel, die im Laufe des Lebens vor uns auf den Tisch Aattern und deren Inhalt vor lauter Form sich meist nicht von selbst erschließt. Oder der Text auf der Vorderseite hat mit demjenigen auf der Rück­seite so wenig zu tun, dass er nicht einmal als deren Kehr­seite wahrzunehmen ist. Es kann aber auch sein, dass der Autor seinem Text nicht die Kraft zutraut, den Leser zum Umblättern zu bewegen. Oder dass er den Leser schlicht­weg für zu dumm hält, das Naheliegende zu tun, ganz ab­gesehen von der fragwürdigen Freude an subtil als Bitte getarnten Befehlen, die so heimlich wie häufig ist.

Alles andere als subtil, aber genauso gängelnd ist es, wenn wir die Wendebitte nicht zu sehen, sondern zu hören bekommen. Es ist noch gar nicht so lange her, da wäre uns diese Erfahrung erspart geblieben. Inzwischen kann man der Tomtomisierung der bewegten Welt aber kaum noch entrinnen. Lässt man sich automatisiert und bequem durch den Straßenverkehr lotsen. wird man bei verpassten Abzweigungen höAich, aber bestimmt vom Navigations­gerät darauf hingewiesen, dass man doch "bitte wenden" möge. So freundlich und vorzugsweise weiblich gestimmt das auch geschieht. es ist doch mit Nachdruck gemeint. Der digitale Finger legt sich in die Wunde des eigenen Fahrverhaltens, deckt schonungslos unsere Fehlbarkeit auf und hält uns zur Umkehr an. Und Je länger wir horchend­gehorchend keine Wendemöglichkeit finden, umso öfter die Bitte, umso schlechter unser Gewissen. Aber es stimmt

Hier unser Video-Bericht von der Ausstellungseröffnung

Video in HD auf YouTube sehen

BITTE WENDEN!
schon: Manchmal kommt man eben besser voran, wenn man umdreht. Das ist die eine Seite.
Die andere rechnet nicht mit unserer Freiheit. Es läuft ja doch auch manchmal so: Wir haben ein Ziel im Sinn, wir geben es ein und lassen uns den schnellsten Weg dorthin leiten. Dann entdecken wir etwas, das nicht auf der Stre­cke bleiben soll und wenden uns ihm zu. Wir wählen den schöneren Weg, denjenigen. der uns näherliegt oder um­gekehrt den Reiz des Neuen trägt. und prompt werden wir davon abgebracht. Das Navigationsgeräc. den rechten Weg im Rechner, zeigefingert dann in unsere spontane Entschei­dung hinein, weil es darin nur abweichendes, ja fehlerhaf­tes Verhalten erkennen kann. Es gibt aber Situationen, da möchte man standhaft bleiben. Weil man sieht, dass sich die Umstände geändert haben, oder einfach nur, weil man seinen eigenen Weg gehen will und sich doch nicht von  einem Ding vorschreiben lassen wird, was man zu tun hat.
Die erwartete Wendung ist keine Kunst. Was ist es dann?
Die unerwartete Wendung' Vielleicht, solange sie nicht zur Gewohnheit wird. Denn wer nur das Unerwartete tut, wird erwartbarer als ihm lieb ist. Man kann sich der Berechen­barkeit nicht völlig entziehen. Aber man kann -ernsthaft ­mit ihr spielen. Das Schöne ist doch: Irgendwann gibt selbst das Navigationsgerät nach und stellt sich auf den neuen Weg ein.Jetzt folgen wir ihm auch wieder gerne und bereit­willig, eine Weile Jedenfalls .. Fast bin ich versucht, zu sagen: Leben ist so. Aber ich will es nicht dabei bewenden lassen. Es gibt ja schließlich noch eine andere Seite.
Thomas Schmaus Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Studium Generale der Alanus Hochschule

Etwas zu wenden bedeutet, den Blick auf die andere, die verborgene Seite zu wagen. Künstler tun dies, indem sie sich stets in der Auseinandersetzung mit dem vermeintlich Offensichtlichen befinden.
Künstlern reicht es nicht, das allgemein Gültige darzustellen. Ihnen obliegt das Erproben und Experimentieren mit Möglichkeiten. Die künst­lerische Idee, der Prozess künstlerischer Arbeit ist somit ein ständiges Wenden von Stand­punkten und Annahmen. Die Infragestellung des Gewohnten ist der Impuls.
Wir Betrachter sind in der angenehmen Lage, uns von den zuweilen daraus neu entstehen~ den Perspektiven und Sichtweisen überraschen zu lassen. Im Idealfall entdecken wir dann eine  uns unbekannte "Seite", erlangen erweiterte Erkenntnis und erfahren neuartige Wahrneh­mungsebenen. Der Künstler leistet all dies quasi Werkimmanent, bedingt durch den kreativen Schaffensprozess. Geht es ihm doch nicht darum, die Welt einfach abzubilden, sondern durch seinen Blick wiederzugeben. Ewig und immer spielen dabei die Fragen nach dem Wahrheitsgehalt und der Täuschung eine Rolle, der Zweifel an dem, wie sich die Dinge geben und auf uns wirken. Insofern birgt jedes Kunst­werk für uns die Chance, tiefer und zugleich weiter zu schauen.
Schauen wir auf die "andere" Seite. Was be­deutet sie, was steckt dahinter' Oder ange­sichts dieses Kataloges gefragt, was macht ein Kunstwerk aus? Ein entscheidendes Kriterium definierte der amerikanische Philosoph und Kunstkritiker Arthur C. Danto angesichts des Schocks, den Andy Warhol der Kunstwelt mit der nüchternen Reduktion seiner "Brillo Boxes" bescherte: Die "Aboutness", befand Danto, sei das, was das Kunstwerk vom Nicht-Kunstwerk unterscheide, und damit auch die Kopien der Waschmittelkartons eindeutig zu Kunstwerken mache. Kunst ist demzufolge also nicht ohne Bezugnahme, nicht ohne Interpretationsmäg­lichkeit zu betrachten. Die "Aboutness" bezieht sich auf eine wie auch immer geartete Inhalt­lichkeit oder eben auf die dahinter liegende Seite.
Wer nun aber glaubt, dass auf dieser Seite immer etwas zu sehen sein müsste, der irrt.
Das Wenden allein, das darauf Aufmerksam­machen oder die Referenz kann das Ergebnis dieses Vorganges sein. Dies setzt voraus, dass ein Prozess der Auseinandersetzung seitens des Betrachters angeregt wird. Insofern bein­haltet das "Wenden" auch noch eine ganz an­dere Bedeutung: Nämlich die der Zuwendung und Ansprache. Das Kunstwerk nur für sich genommen, ohne Diskurs und Dialog wäre seiner Wirkungsweise schlicht beraubt.

Kunst ISt eine öffentliche Angelegenheit und tritt an ihr Publikum heran als das was sie ise: eine visuelle und vor allem sinnlich wahrzuneh­mende Arbeit -präsentiert in Ausstellungen, auf KunstmeSsen, Galerien, im öffentlichen und privaten Raum. Hier kann sie sich in der produktiven Auseinandersetzung mit künstleri­schen Ansätzen, Fragestellungen und Konzep­ten entfalten, sich aber auch allein durch die Präsentation ihrer Ergebnisse darstellen.
So suchen auch die hier vorgestellten Künstler den Austausch und die Auseinandersetzung mit dem Betrachter aber auch die Gegenüber­stellung mit den anderen gezeigten Werken. Erst im Vergleich und in der Vielfalt können die jeweiligen Besonderheiten und Aussagen ent­deckt und gewürdigt werden. Und so erhält das "Wenden" auch die Bedeutung des Weiter­schreitens und Fortsetzens. Wie in einem Buch kann in einer Ausstellung gebläccert werden, Seite für Seite, Werk für Werk betrachtet und gelesen werden.
Ein Gedanke, der sich auch auf den Schaffen­sprozess jedes einzelnen Künstlers übertra­gen lässe: die künstlerische Arbeit bezieht sich nicht nur auf die Entstehung eines einzelnen Kunstwerkes, sondern sie ist eine fortwähren­de Entwicklung, ein sich stets wiederholender aus tiefer, innerer Motivation speisender Pro­zess. Dabei sind Künstler ihr eigener Motor und schöpfen zugleich aus ihrer Umgebung Impulse und Energie. Dafür bedarf es eines kontinuierlich gewachsenen Bewusstseins ihrer Selbst und Sensibilität für die sie umgebenden Welt und Gesellschafc. Und -einer großen Neugierde.
Denn ohne Neugierde, ohne das Interesse an dem Anderen, dem Unbekannten wäre das "Wenden" nicht denkbar. Erst der Wunsch, hinter das erste Blatt, hinter die OberAäche zu schauen, gibt die Energie frei, zu handeln, zu gestalten und zu bewegen. Künstler haben die Gabe, sich vorzustellen, was andere nicht denken. Dingen Gestalt zu geben, die andere nicht sehen. Viele Künstler besitzen ein be­sonderes Gespür für das, was vielfach ohne sie nicht erkennbar wäre. Dabei wenden sie zuweilen subtil, manchmal brachial unseren
Blick in andere, neue Richtungen und lassen gerne nichts beim Alten bewenden. Dieser kunstvollen Aufforderung sollten wir unbe­dingt folgen und die Neugierde auf das da­hinter liegende teilen: also, bitte wenden ...
Alexandra Wendorf Chefredakteurin • nicolai -Zeitungsmagazin für Kunst, Kultur, Design und Architektur

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Redaktion: Selda Güven-Strohhäcker

Kamera & Schnitt: MC-proMedia.com

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