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Umfrage zu Pestizidgenehmigungen: Parteiübergreifende Ablehnung für EU-Pläne

Umweltinstitut LogoMünchen, 5. November 2026. Die EU-Kommission will Pestizidwirkstoffe künftig unbefristet genehmigen. Doch eine Mehrheit von 72 Prozent der Deutschen ist der Meinung, dass Pestizide häufiger als bisher auf EU-Ebene überprüft werden sollten. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Umweltinstitut München. Unbefristete Genehmigungen, wie sie die EU-Kommission vorschlägt, erhalten lediglich vier Prozent Zustimmung. Die Umfrage belegt, dass die Pläne der EU-Kommission zu laxerer Pestizidgenehmigung keine Unterstützung in der Bevölkerung finden.

Voraussichtlich bis Ende des Jahres steht im EU-Parlament die Abstimmung über die Pestizidpläne der EU-Kommission an. Vor allem konservative und rechtspopulistische Abgeordnete setzen sich im Europäischen Parlament für eine Abschwächung des Vorsorgeprinzips bei der Pestizidgenehmigung ein, während sozialdemokratische und grüne Abgeordnete diese Pläne stark kritisieren. 

Die Umfrage zeigt jedoch: Konservativ wählende Menschen stehen unbefristeten Genehmigungen von Pestizidwirkstoffen genauso kritisch gegenüber wie Menschen mit einer progressiven politischen Einstellung. So möchten in Deutschland 73 Prozent der Anhänger:innen der Union eine häufigere Überprüfung bei der Genehmigung von Pestiziden als die derzeit gültigen 15 Jahre. Bei Anhänger:innen der SPD sind es ebenfalls 73 Prozent.

"Die überwältigende Mehrheit der Befragten lehnt eine Ewigkeitszulassung für Pestizide ab. Wenn die konservativen EU-Abgeordneten diesen Plänen zustimmen, handeln sie gegen den Willen ihrer Wählerschaft. Nehmen die Abgeordneten ihre Wählerschaft ernst, müssen sie den Pestizid-Omnibus der EU-Kommission stoppen und die Kommission auffordern, ein Gesetz zum Ausstieg aus dem Pestizideinsatz in der Landwirtschaft formulieren“, kommentiert Moritz Tapp, agrarpolitischer Referent am Umweltinstitut. „Es ist ein umweltpolitischer Skandal, dass die EU-Kommission die Pestizidprüfung ganz im Sinne der Agrarchemie-Lobby aushöhlen will, während EU-Bürger:innen häufigere Überprüfungen und eine Zukunft ohne Pestizidcocktails in unserem Blut, unserem Wasser und unserer Natur wollen.“ 

Der Umfrage zufolge hält die Mehrheit eine pestizidfreie Zukunft für realistisch: 41 Prozent der Deutschen halten den Ausstieg aus chemisch-synthetischen Pestiziden bereits heute für möglich, weitere 30 Prozent der Befragten sehen ebenfalls keine Zukunft in der Abhängigkeit von Pestiziden. Sie finden aber, dass es teilweise noch zu wenige gleichwertige Alternativen gibt. 

In Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland und Rumänien ermittelte die Umfrage vergleichbar hohe Ablehnungswerte gegenüber einer unbefristeten Genehmigung von Pestiziden. Zudem gibt es ähnliche Mehrheiten für den Ausstieg aus der Pestizidnutzung in der Landwirtschaft. Den über 7000 Befragten in den EU-Ländern waren bei der Prüfung und Zulassung von Pestiziden primär die Gesundheit, der Wasserschutz und der Schutz der Biodiversität wichtig. 

Die Pläne der EU-Kommission: Der Abschied vom Vorsorgeprinzip
Unter dem sogenannten Pestizid-Omnibus oder Omnibus X verhandelt derzeit das Europäische Parlament unter anderem über eine Lockerung der Regeln für die Genehmigung von Pestizidwirkstoffen. Der Vorschlag der EU-Kommission sieht vor, viele Pestizide in Zukunft unbefristet zu genehmigen. Außerdem sollen Abverkaufs- und Aufbrauchfristen deutlich verlängert werden. Pestizide, die bereits wegen Umwelt- oder Gesundheitsgefahren verboten sind, sollen leichter wieder zum Einsatz kommen. Solche Genehmigungen können bis zu fünf Jahre gelten.

Bisher sind Genehmigungen grundsätzlich befristet: Pestizidwirkstoffe müssen auf EU-Ebene mindestens alle 15 Jahre anhand neuer wissenschaftlicher Studien überprüft werden, um wieder zugelassen zu werden.

Wissenschaft und Zivilgesellschaft warnen vor den Lockerungen im Pestizidrecht

Die Vorschläge der EU-Kommission stoßen seit Monaten auf massive Kritik aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft. So warnen mehr als 500 Wissenschaftler:innen sowie die Leopoldina-Akademie vor den Risiken einer Deregulierung der Pestizidzulassung.
Auch ein  Rechtsgutachten attestiert dem Omnibus X der EU-Kommission rechtliche Hindernisse. Es sieht einen klaren Konflikt mit dem Vorsorgeprinzip nach Artikel 191 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) sowie mit weiteren Schutzpflichten aus der EU-Grundrechtecharta.

Zur Umfrage
Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum vom 30. September bis zum 6. Oktober 2026 insgesamt 1.032 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region, Wohnumfeld, Wahlverhalten und politischem Interesse quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren. Neben Deutschland wurden parallel in Frankreich, Spanien, Italien, Polen, Irland und Rumänien jeweils über 1000 Menschen repräsentativ über YouGov zur Pestizidregulierung befragt. 

Weitere Informationen zu den Pestizidplänen der EU-Kommission finden Sie auf der Website des Umweltinstituts

Quelle: www.umweltinstitut.org

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