das Kultur und Nachrichtenmagazin

Istanbul Design Biennale 13. Oktober – 12. Dezember 2012

Ulrich Exner tableMore than Design! (Design Quartier Ehrenfeld & Made in Şişhane)
Auf Einladung der Istanbul Design Biennale haben Design Quartier Ehrenfeld – DQE and Made in Şişhane den Workshop „More than Design!“ mit sechs deutschen Designern sowie deutschen und türkischen Studierenden realisiert. Die Designobjekte werden im Rahmen des Ausstellungsparcours der neu aufgestellten Design Biennale präsentiert.
Der Workshop “More Than Design!” ist ein Kooperation von Design Quartier Ehrenfeld – DQE, Köln und dem Istanbuler Projekt Made in Şişhane. Das Workshop-Konzept ist in Anlehnung an das Motto der diesjährigen Biennale “Imperfection” entstanden, das sich nach Meinung der Workshop-Verantwortlichen, Aslı Kiyak Ingin (Made in Şişhane) und Sabine Voggenreiter (DQE), wie ein “roter Faden”, durch Istanbul zieht und als ein neuer Zugang zu aktuellem Design interpretiert werden könnte. Der Workshop will die besonderen Produktionsstätten Istanbuls, insbesondere die small-scale Produktionen in den alten Handwerkervierteln wie Şişhane and Galata, reflektieren. Der Istanbuler Stadtteil Şişhane hat viele Leuchtengeschäfte und small-scale Hersteller, die seit mehr als einem Jahrhundert Leuchtenmodule produzieren. Jeder Handwerker ist spezialisiert auf Metall, Holz, Plastik, Textilien oder andere Materialien bzw. Techniken. Aufgrund der starken Vernetzung und der großen Flexibilität ist es möglich auch mit einfachen Maschinen und traditionellen Verarbeitungsmethoden komplexes Design umzusetzen. Trotz dieses Potentials steht die Handwerkertradition in Şişhane vor dem Aus. Grund sind billige Importware aus Asien, steigende Mietpreise und Gentrification sowie der neue Master Plan für Beyoğlu, der eine Umsiedlung der Produktionsbetriebe vorsieht. Aktuelles Design könnte helfen, die besondere Produktionsweise des Viertels zu erhalten. Das ist der Ansatz des Projektes Made in Şişhane, das innovative und partizipatorische Aktionen veranstaltet, um kreative und positive Visionen für das Viertel zu entwerfen, das bestehende Produktionsnetzwerk zu unterstützen und die Öffentlichkeit auf das Viertel aufmerksam zu machen.
Das Projekt Design Quartier Ehrenfeld – DQE hat den über das Wirtschaftsministerium NRW ausgeschriebenen Wettbewerb der Europäischen Union „Create.NRW“ gewonnen. Das ehemalige Kölner Handwerks- und Industrieviertel Ehrenfeld, damals bekannt für seine Leuchtenproduktion, wird durch neue Designfelder und die wachsende Zahl neuer Designbüros und -werkstätten zu einem dynamischen Zentrum für junges internationales Design. Das Projekt entwickelt Handlungskonzepte zur räumlichen und inhaltlichen Strukturierung des Quartiers Ehrenfeld, wie z.B. kleinteilige kreative
vernetzte Ökonomien auf lokaler Basis. Ehrenfeld ist dafür prädestiniert durch seinen „kreativen“ Humus und die interkulturellen Strukturen, die durch DQE-Veranstaltungen gestärkt werden. Das
Angebot betrifft u.a. folgende Bereiche: Industrial Design, Interior Design, Modedesign, Urban Design, New Work, Mobile Arbeitsplätze, Nachhaltigkeit, Gender Studien, Urban Agriculture, Migration,
Designpublikationen und Nachbarschaftsstudien.
Der Workshop “More Than Design!” wurde von sechs deutschen Designern geleitet: Ulrich Exner, Architekt and Designer, Siegen; Pierre Kracht, Produktdesigner, Dortmund; Jörg Mennickheim,
Industriedesigner, Köln; Katharina Pawlik, Produktdesignerin, Köln; Felix Stark, Industriedesigner, Köln und Nicole Süß, Modedesignerin, Köln. Beteiligt waren Studierende der Universität Siegen, der ecosign – Akademie für Gestaltung Köln und der FH Mediadesign Düsseldorf sowie Studierende der Fakultäten für Interior Design, Innenarchitektur, Kommunikationsdesign, Graphikdesign, Film und Medien der Anadolu University, der Bahçeşehir University, der Işık University, der Istanbul Bilgi University, der Istanbul Technical University, der Kadir Has University, der Marmara University, der Mimar Sinan Fine Arts University und der Yıldız Technical University. Während des fünftägigen Workshops hatten die Teilnehmer und die Designern die Möglichkeit, die Leuchtenmanufakturen in Şişhane zu besuchen, wo sie die Fertigungsmethoden kennen lernen und sich fachlich mit den Handwerkern austauschen konnten und so in den kreativen Prozess zwischen Designern und Handwerkern eintauchen konnten, der eine Alternative zu der gegenwärtigen „Designwelt“ und der Massenproduktion darstellt. Diese Erfahrung machte den Herstellungsprozess fast bedeutsamer als das Resultat, wobei die entstanden Designobjekete nun beides beinhalten, die Geschichte des Prozesses sowie der Orte, für die sie geschaffen wurden: Doğan Apartment, Galata Café Gündoğdu, Okcu Musa Primary School,Tea Corner in Şişhane, Reception Manzara Apartments in Galata und die alte Tünel Passage in Beyoğlu. Die Produkte wurden speziell für diese Locations entworfen und hergestellt und werden an eben diesen Orten präsentiert zusammen mit Videos oder Tafeln, die den Herstellungsprozess dokumentieren. Die Objekte verbleiben auch nach der Istanbul Design Biennale an “ihren” Orten. Der Design- und Produktionsprozess wird während der Designveranstaltung PASSAGEN 2013 (14. – 20. Januar 2013) in der DQE-Halle in Köln inszeniert.
Die Designer haben in Teams mit folgenden deutschen und türkischen Studierenden gearbeitet:
Christina Zimmer, Johannes Gansmann, Katharina Gautsch, Kira van der Giet, Matthias Behrmann, Paul Ketz, Sandra Gunkel, Sarah Heinrich, Tanja Stein, Tina Schweitzer, Alp Doğan Urut, Aslı Gök,
Aylin Erdinç, Bilge Merve Aktaş, Burcu Sevinç, Büşra Koçak, Büşra Polat, Duygu Nart, Elif Çak, Ferhat Arslan, Gökhan Çınar, İdil Işıksoy, İlknur Kaya, İsmail Berkel, Limay Türkkan, Merve Koçdemir, Müge
Ertilav, Serhat Altın, Özge Turgut, Tuğba Tarım und Yağız Basgıcılar.

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